„Sein reger Eifer umfaßte alles Gemeinnützige“ – so hält es ein Nachruf eineinhalb Jahre nach dem Tod von Johann Daniel Lawaetz fest. Der am 7. Oktober 1826 verstorbene Kaufmann und Textilunternehmer war in seinem Umfeld als Menschenfreund bekannt und hochgeschätzt.
Nicht zuletzt für sein soziales Engagement vom dänischen Königshaus mehrfach mit Orden und Titeln geehrt, war Lawaetz mit dieser Berufung auch publizistisch tätig. Vor allem sein 1815 verfasstes Buch „Über die Sorge des Staates für seine Armen und Hülfsbedürftigen“ gab und gibt einen Überblick über die Bandbreite seiner Reformvorschläge. Und die ihn in den letzten Lebensjahren umtreibende Umsetzung einiger dieser Ideen lebt zumindest im Namen Friedrichsgabe fort. Diese Teilgemeinde (und einer der Ursprünge) der Stadt Norderstedt geht zurück auf die Gründung einer Armenkolonie, mit der sich das von Lawaetz propagierte Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe in der Praxis beweisen sollte.
Zugleich war Lawaetz fast ein halbes Jahrhundert – seit der Gründung seines Handelshauses an der Palmaille 1778 – eng mit Altona verbunden. Zunächst im Kommerz-Kollegium und in Kommissionen und Vorständen von Banken tätig, engagierte er sich 1799 zusammen mit seinem Bruder Heinrich Wilhelm bei der Gründung des Altonaischen Unterstützungs-Instituts und der zwei Jahre später daraus hervorgegangenen Altonaer Sparkasse. Insbesondere die 1812 ins Leben gerufene Schleswig-Holsteinische Patriotische Gesellschaft verdankte ihre Existenz dem Werben und Netzwerken Lawaetz‘ in aufklärerisch gesinnten Kreisen Altonas und bei politischen Entscheidungsträgern.
Bildnachweis: MHG, Inv. Nr. EB 1930, 319
Lebensmittelpunkt war in diesen Jahren sein ausgedehnter Landsitz oberhalb des Neumühlener Elbufers, den er ab 1793 erworben hatte und infolge stetig ausbauen ließ. Hier entstanden auch verschiedene Gewerbebauten, welche die materielle Basis für seine philanthropischen Projekte sicherstellten. Und nicht weit von hier, bei der Ottenser Christianskirche, wurde Johann Daniel Lawaetz bestattet. Während die Zeitgenossen mit einer neben dem Grabstein platzierten Gedenkstele seiner gedachten, erinnert seit 1950 der Lawaetzweg in der benachbarten Altonaer Altstadt an den verdienstvollen ehemaligen Mitbürger.
Bildnachweis: Lawaetz-Stiftung
Daneben darf jedoch nicht vergessen werden, auf deutlich weniger selbstlose Aspekte in seiner Vita hinzuweisen. Der Werdegang des 1750 in Rendsburg geborenen und schon als Jugendlicher in Hamburg kaufmännisch ausgebildeten Lawaetz führten ihn in den frühen 1770er Jahren nach Kopenhagen. Dort wirkte er in der Firma seines Vetters Niels Ryberg, der das größte Handelshaus Dänemarks auch durch Beteiligungen am kolonialen Handel in Ostasien und der Karibik aufgebaut hatte.
Obwohl Lawaetz selbst wohl nicht unmittelbar in die durch Sklavenarbeit geprägte überseeische Plantagenwirtschaft involviert gewesen ist, konnte er doch beim erfolgreichen Ausbau seiner Unternehmen von früh geknüpften und auch über seine Verwandten gepflegten Geschäftsbeziehungen mit Protagonisten aus diesem Bereich profitieren. Zudem erfolgte die verstärkt in Lawaetz‘ Fokus stehende Produktion von Leinen und entsprechender Vorprodukte in Norddeutschland unter Bedingungen, die auch aus damaliger Sicht als ausbeuterisch gelten konnten.
Angesichts dieser Ambivalenzen mögen einerseits die Beweggründe deutlich werden, die 1986 dazu führten, dass die neugegründete Stiftung nach Johann Daniel Lawaetz benannt wurde. Andererseits zeigt gerade der Umstand, dass ein ehemaliges Manufakturgebäude von Lawaetz als Stiftungssitz auserkoren wurde, vor den angedeuteten Hintergründen aber auch die Verantwortung, der sich die Stiftung heute in Hinblick auf ihren Namensgeber stellen sollte und auch zu stellen bereit ist.
Text geschrieben von Dominik Kloss – herzlichen Dank sagt die Lawaetz-Stiftung.
Schriften von Johann Daniel Lawaetz
Briefe eines alten Holsteiners an seinen Sohn im Schleswigschen über die neue Münze und Bank, Altona 1788.
Vorschläge zur Errichtung einer patriotischen Gesellschaft für Schleswig und Holstein 1811, Kiel 1811.
Rede bei Gründung der Schleswig-Holsteinischen patriotischen Gesellschaft und Eröffnung ihrer ersten General-Versammlung in Altona, den 29sten September 1812, Kiel 1812.
Über die Sorge des Staats für seine Armen und Hülfsbedürftigen, Altona 1815.
Bericht und dadurch veranlaßte Vorschläge und Gutachten über das Armenwesen in den Herzogthümern Schleswig und Holstein, Altona 1818 (Schriften der Schleswig-Holsteinischen Patriotischen Gesellschaft; Band 1, Heft 2/3).
Über Armen-Kolonien, Altona 1821.
Literatur über Johann Daniel Lawaetz
Bauer, Ingrid (u.a.): Armut, Arbeit und bürgerliche Wohltätigkeit. Johann Daniel Lawaetz und seine Zeit, Hamburg 1987.
von Dücker, Elisabeth: „…die Dürftigen zur Arbeit zu gewöhnen.“. Zu den Betrieben des Johann Daniel Lawaetz in Neumühlen, in: Historische Stadtrundgänge. Altonaer Hafen – Fische & Fabriken, hg. v. Museum der Arbeit, Hamburg 1993, S. 46-49.
von Essen, Manfred: Johann Daniel Lawätz und die Armenkolonie Friedrichsgabe, Neumünster 1992 (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins; Bd. 97).
Grab, Walter: Die Sozialutopisten Franz Heinrich Ziegenhagen und Johann Daniel Lawätz, in: Ders.: Demokratische Strömungen in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Zeit der Ersten Französischen Republik, Hamburg 1966 (Veröffentlichung des Vereins für Hamburgische Geschichte; Bd. 21), S. 132-139.
