Hilfe zur Selbsthilfe
Die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung arbeitet nach einem klaren Prinzip: Menschen werden nicht nur einmalig unterstützt – sie werden befähigt, ihre Anliegen selbst in die Hand zu nehmen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ nennt sich dieses Prinzip und wir verfolgen es seit 40 Jahren in jedem unserer Projekte. Es bedeutet, vorhandene Stärken sichtbar zu machen, Wissen zugänglich zu machen und nachhaltige Selbstwirksamkeit zu ermöglichen – immer mit dem Ziel, eigenverantwortliches Handeln langfristig zu stärken.
Wissen stärken, Entscheidungen ermöglichen
Ein zentraler Baustein ist die gezielte Aufbereitung von Wissen und Erfahrung. Ob in Studien, in der Beratung oder bei der Projektbegleitung: Informationen werden so vermittelt, dass Akteur:innen fundierte Entscheidungen treffen können.
Ergänzend dazu spielt individuelle Begleitung eine wichtige Rolle: In Beratungs- und Coachingformaten werden Menschen dabei unterstützt, eigene Lösungen zu entwickeln, Fähigkeiten zu erkennen und Orientierung zu erhalten – die Umsetzung liegt bewusst in ihrer eigenen Verantwortung.
Ein gutes Beispiel ist die Arbeit der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. In der kostenfreien hei.beratung erhalten angehende Gründer:innen individuelle Orientierung, Feedback und konkrete Handlungsempfehlungen für ihre nächsten Schritte. Die Ausführung liegt jedoch stets bei ihnen.
Die Arbeit der Jugendhilfeträger im Projekt Jugend Aktiv Plus – Wege in die Zukunft! eignet sich als weiteres Beispiel: Junge Menschen in herausfordernden Lebenslagen werden hier auf ihrem Weg von der Schule in Ausbildung oder Beruf begleitet. Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden in Einzel-Coachings ihre Stärken und persönlichen Netzwerke herausgearbeitet und sie werden motiviert, diese beruflich und in ihrem persönlichen Umfeld einzubringen. Zudem werden sie befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Als Dachorganisation fungiert in diesem Projekt die Lawaetz-Stiftung, bei der das Projektmanagement für dieses Netzwerk aus Jugendhilfe, Jugendberufsagentur, sozialen Diensten, Bezirken und weiteren Partnerorganisationen liegt.
Gemeinsam bauen – selbstbestimmt wohnen
Im Bereich Bauen, der seit Errichtung der Stiftung im Jahr 1986 zur DNA der Lawaetz-Stiftung gehört, zeigt sich der Ansatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ besonders konkret: Menschen übernehmen Verantwortung für ihren Wohnraum und gestalten ihn aktiv mit. Unsere fachliche Begleitung unterstützt sie dabei, komplexe Prozesse zu bewältigen, Entscheidungen zu treffen und als Gemeinschaft zusammenzuwachsen.
So entstehen nicht nur passgenaue Wohnungen für unterschiedliche Lebensrealitäten, sondern auch stabile Nachbarschaften, in denen gegenseitige Unterstützung selbstverständlich wird.
Ein besonders gutes Beispiel für das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe sind Baugemeinschaften, die wir zahlreich als Baubetreuerin begleiten. Unser Ansatz in der Baubetreuung ist es, Menschen zu befähigen, selbst Entscheidungen zu treffen, die nächsten Schritte zu gehen, gut zusammenzuarbeiten und Konflikte konstruktiv zu lösen. Dabei begegnen wir den Baugemeinschaften stets auf Augenhöhe. Das Baugemeinschaftsprojekt Friedensallee zeigt anschaulich, wie eine sozial gemischte und mehrere Generationen umfassende Hausgemeinschaft entstehen kann, die vieles teilt und sich gegenseitig unterstützt.
Quartiere stärken, Teilhabe fördern
In der Stadtteilentwicklung und Demokratieförderung steht die Aktivierung lokaler Potenziale im Mittelpunkt. Menschen werden ermutigt, eigene Ideen einzubringen und ihr Umfeld mitzugestalten.
Neben bestehenden Beispielen wie selbstorganisierten Gesundheitsangeboten wie beispielsweise in der Gesundheitswerkstatt im Quartier Schnelsen-Süd entstehen auch langfristige Strukturen: etwa Stadtteil-Beiräte oder Freizeitgruppen, die zunächst begleitet und gefördert werden, sich aber zunehmend eigenständig organisieren – von Nachbarschaftsgärten bis zu gemeinschaftlichen Aktivitäten.
Auch das von der Lawaetz-Stiftung koordinierte Netzwerk „Hamburg vernetzt gegen Rechts“ arbeitet nach dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“: Das Netzwerk koordiniert zivilgesellschaftliche Organisationen, so dass diese nicht allein arbeiten müssen, sondern Zugang zu passenden Partnern, Expertise und bestehenden Angeboten erhalten.
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
„Hilfe zur Selbsthilfe“ erfordert eine klare Haltung: Die Stiftung versteht sich als Partnerin, die begleitet, ermutigt und Impulse gibt – nicht als Instanz, die Lösungen vorgibt.
Vertrauen, Empathie und ein ressourcenorientierter Blick sind dabei entscheidend. Ziel ist es, Kompetenzen aufzuspüren, zu stärken und Schritt für Schritt in eigenständiges Handeln zu überführen.
Ein Prinzip mit Zukunft
Als intermediär arbeitende Organisation stärkt die Lawaetz-Stiftung Menschen, Gruppen und Institutionen darin, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten und ihre Ziele eigenständig zu verfolgen. Die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist dabei das verbindende Element aller Arbeitsbereiche der Lawaetz-Stiftung.
Gerade im Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie sozialer Ungleichheit oder mangelnder Teilhabe bleibt „Hilfe zur Selbsthilfe“ der zentrale Hebel für nachhaltige Veränderung. Auch künftig wird dieser Ansatz die Grundlage der Projektarbeit bilden: Projekte werden nicht für, sondern gemeinsam mit den Menschen entwickelt – mit dem Ziel, langfristig wirksame und selbsttragende Strukturen zu schaffen.