Johann Daniel Lawaetz
Seine Schrift von 1815 über die „Sorge des Staats für seine Armen“ formuliert einen Kerngedanken, der bis heute aktuell ist: Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit nicht mit Almosen, sondern durch „Gelegenheit und Mittel“ zu bekämpfen, die „ihn (den Hilfsbedürftigen) auf den selbst gewünschten Weg des Erwerbs bringt“. Kurz: Menschen durch sinnvolle Arbeit zu stärken und Teilhabe zu ermöglichen.
Johann Daniel Lawaetz und seine Schrift „Über die Sorge des Staates für seine Armen und Hilfsbedürftigen (1815)“, Quelle: Lawaetz-Stiftung, Foto von Johann Daniel Lawaetz aus „Armut, Arbeit und bürgerliche Wohltätigkeit“, Herausgeber: Behörde für Arbeit, Jugend und Soziales, 1987 von einer Litographie von C. Kroymann aus 1827, Altonaer Museum Hamburg.
Die von Johann Daniel Lawaetz angeregten Ideen leben seit 1986 in der Johann Daniel Lawaetz-Stiftung (kurz: Lawaetz-Stiftung) weiter – gegründet als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts durch die Freie und Hansestadt Hamburg. Ihr Sitz ist das historische Lawaetzhaus in Neumühlen 16-20, erbaut 1802 als Teil eines Fabrikkomplexes. Zwischen 1986 und 1989 wurde das Gebäude denkmalgerecht saniert. Heute bietet es Raum für Büros, Beratung, Veranstaltungen und Ausstellungen – und ist zugleich sichtbarer Ausdruck eines sozialen Engagements, das Herkunft und Zukunft zusammendenkt.
Doch bei allem sozialen Engagement: Lawaetz war auch Teil eines kolonialen Wirtschaftssystems. Seine familiären Verbindungen zur Plantagenwirtschaft auf den damaligen Dänisch-Westindischen Inseln machen deutlich, dass sein Erbe auch kritisch betrachtet werden muss.
Die Lawaetz-Stiftung tut genau das – sie würdigt seine Ideen, beleuchtet aber auch seine Verstrickungen in koloniale Strukturen offen und verantwortungsvoll.
