„Die Unterschiede zwischen Menschen machen die Stärke einer Gesellschaft aus“
September 3, 2026
Interview mit der Autorin und Journalistin Gilda Sahebi - Referentin beim Stiftungsfest 2026

Warum fällt es uns zunehmend schwer, miteinander im Gespräch zu bleiben, auch wenn wir unterschiedlicher (politischer) Meinung sind? Wieso gibt es immer stärker ein „Wir gegen die“ und wie schaffen wir es, eine Gesellschaft zu gestalten, in der Unterschiede ausgehalten werden können? Die Journalistin, Autorin, Politikwissenschaftlerin und Ärztin Gilda Sahebi beschäftigt sich seit Jahren mit gesellschaftlicher Polarisierung und der Frage, was eine demokratische Gesellschaft zusammenhält oder auseinanderbringt.

Auf unserem Stiftungsfest zum 40. Jubiläum der Lawaetz-Stiftung wird sie als Rednerin zu Gast sein und wir freuen uns sehr auf ihren Vortrag. Mit dem Thema „Raus aus den Gruppen, rein in die Gemeinschaft – warum Verbindung stärker ist als gesellschaftliche Polarisierung“ blickt sie auf Möglichkeiten, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen. Wir haben ihr vorab ein paar Fragen gestellt.

Frau Sahebi, Sie sprechen von „raus aus den Gruppen, rein in die Gemeinschaft“. Was meinen Sie mit diesen „Gruppen“ – und warum ist eine Unterteilung in „Gruppen“ für unsere Gesellschaft gefährlich?

Diese „Gruppen“ gibt es eigentlich nicht – sie sind eine politisch konstruierte Behauptung. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Menschen, und das macht die Stärke einer Gesellschaft aus – die Unterschiedlichkeit der Menschen. Dass Unterschiede aber Gruppen ausmachen würden, und dass diese Gruppen sogar gegeneinander stünden, das ist nicht wahr. Erst, wenn dieses Denken überwunden wird, ist echte Gemeinschaft möglich.

Politische Zugehörigkeit gibt vielen Menschen Orientierung und Identität. Wie schaffen wir es, politische Unterschiede auszuhalten, ohne dass daraus ein „Wir gegen die“ wird?

Politische Unterschiede sind eine absolute Normalität in jeder freien Gesellschaft – mehr als das, sie sind notwendig für eine Demokratie. In der politisch-medialen Debatte aber werden diese Unterschiede genutzt, um die Komplexität des einzelnen Menschen zu verneinen. Das führt dazu, dass Menschen einander aufgrund dieser Unterschiede in Gruppen stecken und daraus sämtliche Eigenschaften von Menschen glauben, ableiten zu können. Man kann sich dieser Prozesse auch bei sich selbst gewahr werden – dann funktioniert ein „Wir gegen die“ schlicht nicht mehr.

Was braucht es konkret, damit Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen, obwohl sie politisch völlig unterschiedliche Positionen vertreten?

Es braucht den Wunsch, andere verstehen zu wollen. Dazu gehört vor allem auch der Wille zuzuhören. Verstehen heißt nicht gutheißen. Verstehen heißt klüger werden.

Was macht Ihnen angesichts der zunehmenden Polarisierung trotzdem Hoffnung?

Mir machen immer Menschen Hoffnung. Ich erlebe sehr viele Menschen, die sich jeden Tag dazu entscheiden, Gutes zu tun. Darauf müssen wir setzen.

Vielen Dank für das Interview!

Foto von Gilda Sahebi: Hannes Leitlein


Ähnliche Beiträge

Stark aufgestellt für die Zukunft

Stark aufgestellt für die Zukunft

RISE-Gebiet Neuallermöhe: Das war das Fleetplatzfest 2026

RISE-Gebiet Neuallermöhe: Das war das Fleetplatzfest 2026

40 Jahre Lawaetz-Stiftung: Jubiläums-Website ist online!

40 Jahre Lawaetz-Stiftung: Jubiläums-Website ist online!

Mehr als 1.000 rassistische, antisemitische und rechte Vorfälle 2025 in Hamburg

Mehr als 1.000 rassistische, antisemitische und rechte Vorfälle 2025 in Hamburg

Schlüsselprojekt für das RISE-Gebiet Tegelsbarg / Müssenredder

Schlüsselprojekt für das RISE-Gebiet Tegelsbarg / Müssenredder

Keine Ergebnisse gefunden