Unterstützung für junge Menschen: Gesellschaftliche Teilhabe wieder möglich machen
Juni 3, 2026 | Lawaetz-Akademie | Bildung, Jugend & Integration
Wieder Verantwortung übernehmen und den Alltag bewältigen können

Wenn junge Menschen in schwierigen Lebenslagen sind, dann ist eine Beratung und Begleitung durch einen Jugendhilfeträger des Projekts „Jugend Aktiv Plus“ eine große Unterstützung. Jugend Aktiv Plus (JAP) feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Jubiläum. Elf Träger der Jugendhilfe – darunter auch der IN VIA Hamburg e.V. – entwickeln in allen Hamburger Bezirken gemeinsam mit jungen Menschen eine Perspektive für ihr Leben. Die Angebote von JAP sind für die jungen Menschen niedrigschwellig erreichbar. In individuellen Coachings werden sie bei der Suche nach Ausbildung und Berufsorientierung und bei ihrer sozialen Stabilisierung und Teilhabe unterstützt.

Wir haben mit Shary von Pless gesprochen, um einen genaueren Einblick in die Trägerarbeit bei Jugend Aktiv Plus zu erhalten. Shary ist Standortleiterin und Cochin bei JAP in Harburg für den IN VIA Hamburg e.V..

Welche Rolle spielt IN VIA Hamburg e.V. als Träger im Projekt Jugend Aktiv Plus?

IN VIA Hamburg e.V. unterstützt Menschen mit Migrationshintergrund, geflüchtete Personen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf ihrem Weg zur Integration in die Gesellschaft und auf den ersten Arbeitsmarkt und das steht im Mittelpunkt der täglichen Aktivitäten und Arbeit. Angesichts der Herausforderungen in Bezug auf gesellschaftliche Teilhabe hat IN VIA Hamburg e.V. immer wieder Projekte aktiviert, um die Bedürfnisse derjenigen zu adressieren, die Hilfe am dringendsten benötigen. IN VIA Hamburg e.V. hat sich besonders darauf konzentriert, innovative Programme zu entwickeln und bestehende Strukturen zu stärken, um eine umfassende und nachhaltige Unterstützung zu gewährleisten. Das Projekt Jugend Aktiv Plus kann auf eine langjährige Erfahrung und eine sehr gute Vernetzung des Trägers zurückgreifen. IN VIA Hamburg e.V. hat Synergie-Effekte geschaffen und viele verschiede Projekte unter einem Dach vereint. Die Projekte arbeiten in unterschiedlichen Fällen gemeinsam an der Problemlösung.

Shary von Pless, Standortleiterin und Coachin für Jugend Aktiv Plus bei IN VIA Hamburg e.V.. Foto: Shary von Pless

Wie sieht die Unterstützung von IN VIA Hamburg e.V. ganz praktisch aus? Was passiert, wenn ein junger Mensch zu Euch kommt?

Am Anfang findet eine Anamnese durch Erstgespräche statt. Wir sammeln Informationen, Fragen und ggf. Probleme. Anschließend steigen wir in die Beratungsarbeit ein, analysieren Situationen und können bestenfalls Ziele benennen und bearbeiten. Dann folgt die intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Themen, die der junge Mensch mitbringt. Das kann Therapieanbindung, Schulden, psychische Beeinträchtigung, fehlender Schulabschluss etc. sein und wir binden die Person an eine geeignete Stelle an. Wenn wir eine erste Stabilisierung geschafft haben, schauen wir nach weiteren Zielen und Stabilisierungen, wie z.B. soziale Anbindung, Praktikum, Ausbildung, Schule etc.. Wenn wir die Fragen des jungen Menschens geklärt und aufgearbeitet haben und die Person gesundheitlich, beruflich oder schulisch angebunden ist und wir keine weiteren Themen haben, beenden wir die Beratung und bleiben 6 Monate als stille Berater aktiv. Nach 6 Monaten, wenn keine weitere Hilfe gewünscht ist, beenden wir die aktive Zusammenarbeit, die jederzeit wiederaufgenommen werden kann – bis 25 Jahre und mit Kindern bis 27 Jahre.

Kannst Du ein Beispiel nennen, wie Du jemanden ganz konkret auf seinem Weg unterstützt hast?

Eine junge Frau kam über die Jugendberufsagentur (JBA) – Fallmanagement zu uns ins Projekt und war zu Beginn sehr zurückhaltend und mit der Beratung sehr überfordert. Ihr fiel der Weg zu uns sehr schwer. Viele Menschen, laute Straße, keine Perspektive und sie hatte ihrer Meinung nach nichts zu erzählen. In den ersten Gesprächen stellte sich heraus, dass die junge Frau noch bei ihrer Mutter wohnte und seit 5 Jahren das Haus kaum verlassen hatte. Wir lernten uns immer besser kennen und ich konnte sie an eine Tagesklinik anbinden. Während ihres Aufenthaltes beantragten wir eine ambulante Sozialpsychiatrische Begleitung, damit sie nach der Klinik eine Ansprechpartnerin hatte. Nachdem viel Stabilisierung und Anbindung stattgefunden hatte, konnte die junge Frau eine Ausbildung beginnen, die sie bereits erfolgreich abgeschlossen hat. Noch heute habe ich regelmäßig Kontakt zu der ehemaligen Teilnehmerin und sie ist weiterhin beruflich integriert.

Schriftzug Feuervogel Freizeitzentrum in Harburg

Das Freizeitzentrum Feuervogel des IN VIA Hamburg e.V. ist ein offener Treffpunkt für alle interessierten Kinder- und Jugendlichen in Harburg. Foto: Lawaetz-Stiftung (S. Sehring)

Was zeichnet Eure Arbeit bei IN VIA Hamburg e.V. besonders aus? Worauf legst Du im Umgang mit jungen Menschen besonders wert?

IN VIA Hamburg legt sehr viel Wert darauf, dass die ratsuchenden Menschen eine gesellschaftliche Teilhabe bekommen und sie erfahren, dass sie ihre Handlungsspielräume erweitern können. IN VIA Hamburg e.V. ermöglicht durch die verschiedenen Projekte, dass die Ratsuchenden durch einen Lernprozess dabei gefördert werden, wieder Verantwortung zu übernehmen und dadurch ihren Alltag bewältigen können. Am Anfang mit Unterstützung, aber durch das Befähigungshandeln kommt immer mehr Verantwortung bei den Ratsuchenden an und sie sind immer mehr in der Lage, eigenverantwortlich zu handeln.

In meiner Arbeit wende ich positive Bestärkung und gewaltfreie Kommunikation an. Während der Beratungszeit entsteht oft eine intensive Beziehungsarbeit, die sehr vieles aushalten kann. Ich lege sehr viel Wert darauf, die Person im Projekt und in der Beratung ankommen zu lassen. Es soll kein Zeitdruck oder Verpflichtungsdruck entstehen.

Was wünscht Du dir für die Zukunft des Projekts Jugend Aktiv Plus? Und was müsste sich vielleicht noch verbessern, damit noch mehr junge Menschen von den Angeboten profitieren können?

Ich bin davon überzeugt, dass wenn Projekte ohne Zukunftsängste arbeiten können, die Arbeit noch mehr positive Resultate ergeben könnten. Wertschätzung und Anerkennung sind wichtige Elemente auch für die Berater und die Träger. Eine solide finanzielle und personelle Ausstattung ist ebenso wichtig. Schon jetzt kommen sehr viele Menschen über die unterschiedlichsten Wege zu uns. Bei einer Verstetigung des Projekts könnten alle davon profitieren und auch die Erreichbarkeit würde sich weiter ausbreiten. Des Weiteren würde ich mir eine psychologische Unterstützung für das Projekt wünschen, was das Angebot noch attraktiver und nachhaltiger machen würde.

Offener Austausch bei Jugend Aktiv Plus

Offenheit und Transparenz prägen die Zusammenarbeit der Jugendhilfeträger im Projekt „Jugend Aktiv Plus“. Foto: Lawaetz-Stiftung (S. Sehring)

Wie sieht Eure Zusammenarbeit mit den anderen Akteur:innen von JAP aus?

Wir sind durch die regelmäßig stattfinden Gesamtträgertreffen und AG´s sehr oft im Austausch. Des Weiteren nehmen wir Kontakt auf, wenn Zuständigkeiten geklärt werden müssen. Ein sehr großer Gewinn sind auch die unterschiedlichen Besonderheiten der beteiligten Träger, wovon jeder partizipieren kann.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Shary!


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Jugend Aktiv Plus


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